Seit 1. März 2026 läuft der Ideenbewerb „Gemeinsam bewegen wir Salzburg Richtung Mobilitätszukunft 2040“ im IdeaSpace. Aber wer steckt eigentlich hinter dem dem Ideenbewerb – und was passiert mit den vielen eingereichten Ideen? Und wie entsteht eigentlich ein Mobilitätsplan.
Um dir einen Blick hinter die Kulissen zu geben, starten wir eine Interviewreihe mit jenen, die den Prozess rund um den Mobilitätsplan 2040 aktiv gestalten – aus Verwaltung, Forschung und Praxis. Sie geben dir Einblicke in ihre Arbeite, teilen ihre Perspektiven und zeigen, wie aus (deinen) Ideen konkrete Maßnahmen werden können. Den Beginn macht Michael Schwifcz, Projektleiter der Stadt Salzburg.

© Anna Pirato
Lieber Michael, bitte stelle dich kurz vor …
Mein Name ist Michael Schwifcz und ich habe die große Ehre eines der aktuell wichtigsten Projekte der Stadt Salzburg, den „Salzburger Mobilitätsplan 2040“ als Projektleiter federführend verantworten zu dürfen. Nach mittlerweile rund 7,5 Jahren in der städtischen Verkehrsplanung weiß ich nur zu gut, dass Projekte dann am Besten funktionieren, wenn Verwaltung, Politik und Bürger:innen gemeinsam ein Ziel erreichen wollen und ich glaube, dass dem beim Mobilitätsplan so ist.
Worum geht es beim Mobilitätsplan 2040 eigentlich – und warum ist er für Salzburg so wichtig?
Der Salzburger Mobilitätsplan 2040 wird das zentrale Planungsinstrument in der Verkehrs- und Mobilitätsplanung für die nächsten rund 15 Jahre sein. Durch den Mobilitätsplan kann eine abgestimmte Planung zwischen den diversen Verkehrsträgern erfolgen, welche immer im Blick hat, dass in der Stadt Salzburg in Zukunft nur mehr 20% der täglichen Wege mit dem Auto zurückgelegt werden sollen. Zum Vergleich: aktuell werden noch rund 37% der Wege mit dem KFZ zurückgelegt.
Die Stadt setzt hier stark auf Beteiligung – obwohl sie rechtlich nicht dazu verpflichtet ist. Warum ist euch das wichtig?
Die Salzburger:innen wissen am Besten, wo der Schuh in der Stadt drückt und welche Maßnahmen sinnvoll sind, um die bereits im Gemeinderat beschlossenen Ziele zu erreichen. Aus diesem Grund ist uns auch eine breitangelegte Bürger:innenbeteiligung so wichtig. Zusätzlich hilft es uns als Fachleute auch in der Argumentation von gewissen Maßnahmen, wenn diese auch von den Bürger:innen eingemeldet werden.
Neben den Ideen der Bürger:innen werden aber natürlich auch durch die Fachexperten zahlreiche Ideen ausgearbeitet, es ist also nicht so, dass wir die Maßnahmenentwicklung auf die Bürger:innen abschieben. Viel mehr ist die Bürger:innenbeteiligung eine wichtige Ergänzung zu den Fachmaßnahmen.
Was bringt es konkret, wenn Bürger:innen ihre Ideen einbringen?
Im Bereich der Umsetzung hilft es uns ungeheuer, wenn wir als Fachexperten in politischen Entscheidungsprozessen darauf verweisen können, dass auch die Bürger:innen diverse Maßnahmen fordern. Aus einem reinen Fachdokument wird durch die intensive Bürger:innenbeteiliung ein Dokument, welches aktiv von den Salzburger:innen mitgestaltet wurde und damit eine andere Wertigkeit besitzt, als wie wenn das Dokument rein von Fachexperten geschrieben werden würde (welche teilweise nicht einmal in der Stadt Salzburg wohnhaft sind).
Warum hat man sich für eine Beteiligung in Form eines Ideenbewerbs entschieden?
Das Format des Ideenbewerbs kombiniert mit Ideenworkshops in den Stadtteilen bietet uns die Möglichkeit die gesamte Bandbreite der Salzburger Bevölkerungen (von jung bis alt) für den Mobilitätsplan abzuholen und somit das Dokument auf ein anderes Fundament zu stellen.

© Anna Pirato
Liest du alle Ideen persönlich?
Grundsätzlich versuche ich alle Ideen, welche eingereicht wurden, bereits kurz nach ihrer Einreichung zu lesen, um mir einen guten Überblick zu verschaffen. Final werden von uns als Team hinter dem Mobilitätsplan, aber auf alle Fälle alle eingereichten Ideen gelesen und gemeinsam mit externen Fachexperten auch intensiv analysiert.
Was passiert konkret mit allen eingereichten Ideen im Rahmen des Planungsprozesses?
Die eingereichten Ideen werden durch das interne Mobilitätsplanteam sowie externe Fachexperten analysiert und sofern sie im Hinblick auf die Zielerreichung sinnvoll sind auch entsprechend in den Fachentwurf zum Mobilitätsplan aufgenommen. Die jeweiligen Siegereinreichungen pro Kategorie landen auf alle Fälle im Fachentwurf des Mobilitätsplan, zu dem werden auch die Namen der Einreicher in diesem Fall bekanntgegeben.
Gibt es bereits Ideen oder Maßnahmen, die relativ schnell umgesetzt werden könnten?
Einzelne kleinere Maßnahmen können auf alle Fälle in den nächsten zwei Jahren umgesetzt werden. Hier ist es für unsere Argumentation sehr wichtig, dass diese Maßnahmen von Bürger:innen eingereicht wurden.
Was hat dich bisher im Beteiligungsprozess am meisten überrascht?
Persönlich war ich am meisten darüber überrascht, dass bereits so viele Salzburger:innen aus allen Alterskategorien am Ideenbewerb teilgenommen haben. Auch die Tiefe, welche eine Vielzahl der Ideen aufweist, hat mich persönlich beeindruckt und vor allem gezeigt, dass die Bürger:innen sich sehr viel für ihre Stadt überlegen und wir als Verwaltung dieses Potential noch mehr abgreifen müssen.
Gab es Ideen oder Perspektiven, mit denen du gar nicht gerechnet hättest?
Vor allem habe ich nicht damit gerechnet, dass wir mittlerweile bei mehr als 350 eingereichten Ideen stehen. Wobei die meisten dieser Ideen wirklich ausgezeichnet aufbereitet sind.
Was würdest du dir noch von den Salzburger:innen wünschen?
Dass dieser positive wertschätzende Flow, welcher bei diesem Ideenbewerb gestartet wurde, auch bei anderen Bürgerbeteiligungen anhält und wir gemeinsam (Verwaltung, Politik und Bürger:innen) die Stadt in eine positive Richtung verändern. Damit die Lebensqualität, die Salzburg bereits heute ausmacht, noch weiter verbessert wird.
Hast auch du noch eine gute Idee für den Salzburger Mobilitätsplan? Dann mach mit! Einreichschluss ist Donnerstag, der 30. April, 23:59 Uhr.

© Anna Pirato
