Unser Blick hinter die Kulissen des Ideenbewerbs „Gemeinsam bewegen wir Salzburg Richtung Mobilitätszukunft 2040“ im IdeaSpace geht weiter. Heute gibt uns erzählt Charis Kowald von cons.ens einen Einblick in ihre Arbeit als Mobilitätsplanerin.
Liebe Charis, bitte stelle dich kurz vor …
Mein Name ist Charis Kowald und ich bin Mobilitätsplanerin im Büro con.sens Mobilitätsdesign. Gemeinsam mit meinen Kollegen Michael Szeiler und Johann Schneider unterstützen wir die Stadt Salzburg bei der Erstellung des Mobilitätsplan 2040.
Wir begleiten das Projekt von Beginn an und haben vor allem den Weg zur Vision und die Zielsetzungen für Salzburgs Mobilität der Zukunft, inklusive der Beteiligung wichtiger Zielgruppen sowie der Politik und Verwaltung, unterstützt.
Was macht einen guten Mobilitätsplan aus deiner Sicht aus?
Ein guter Mobilitätsplan muss auf zuvor erstellen Konzepten, Beschlüssen und Erkenntnissen aufbauen, er muss alle Arten der Fortbewegung gemeinsam denken und sucht gute Kompromisse für alle Wege.

© Doris Wild
Damit ein solcher Mobilitätsplan auf soliden Beinen stehen kann, finde ich es wichtig, auch datenbasiert zu arbeiten. Verkehrszählungen, Geschwindigkeitsmessungen, Auslastung im öffentlichen Verkehr sind nur wenige Beispiele, die bei den Überlegungen unbedingt berücksichtigt werden müssen. Denn nur, wenn die Probleme bekannt sind, können wir auch die entsprechenden Lösungen finden.
Außerdem finde ich es wichtig, dass ein Plan für die nächsten 15 Jahre eine gewisse Flexibilität beibehält. Gerade im Mobilitätsbereich gibt es viele Trends und Entwicklungen, die sich bereits abbilden, aber noch unkonkret sind. Und es wird in den nächsten Jahren noch mehr Trends geben, die wir aktuell gar nicht kennen können. Daher sollte ein Mobilitätsplan nicht zu streng und unflexibel sein, damit Anpassungen an die Realität der jeweiligen Zeit auch möglich sind.
Einen guten Mobilitätsplan machen aber nicht nur gute Maßnahmen und wünschenswerte Ziele aus, sondern auch, wie sehr er auf die Nutzer:innen Rücksicht nimmt. Es ist nicht nur wichtig, sich Fragen zu stellen, wie “Wie fließt der Verkehr am besten?“, sondern eben auch „Wie kommen die Menschen – vom Kind bis zu den Senior:innen – sicher und barrierefrei ans Ziel?“
Du arbeitest mit vielen Städten zusammen: Vor welchen Herausforderungen stehen Städte aktuell im Bereich Mobilität? Gibt es typische Muster oder Probleme, die dir immer wieder begegnen?
Das Hauptproblem, das mir in fast jeder Stadt begegnet, ist der enorme Druck auf die Fläche. Wir versuchen heute, moderne Mobilitätsansprüche in historisch gewachsene Straßen zu quetschen, die jahrzehntelang fast ausschließlich auf das Auto fixiert waren. Erschwert wird dies durch die extrem heterogenen Ansprüche an den öffentlichen Raum. Eine Straße ist heute nicht mehr nur ein Verkehrsweg, sondern gleichzeitig Lieferzone für den Online-Handel, Gastronomiefläche, Rettungsweg und sozialer Begegnungsraum. Diese Gleichzeitigkeit von Funktionen – Mobilität, Logistik und Verweilqualität – erzeugt ständige Reibungspunkte. Die Herausforderung für die Stadtplanung besteht darin, diesen „Nutzungssalat“ so zu ordnen, dass sich die verschiedenen Gruppen nicht gegenseitig blockieren, sondern der Raum für alle sicher und zugänglich bleibt.
Ein weiteres zentrales Muster ist die mangelnde Vernetzung der verschiedenen Verkehrsarten. Oft existieren zwar gute Angebote wie Leihräder, Carsharing oder der klassische öffentliche Verkehr nebeneinander, aber es fehlt an der Verknüpfung. Ein Umstieg wird oft als mühsam empfunden, weil die Wege zwischen den Systemen zu weit oder zu unübersichtlich sind. Eine echte Entlastung der Straßen gelingt erst dann, wenn der Wechsel zwischen Auto, Rad, Bahn und Sharing-Angeboten so intuitiv und reibungslos funktioniert, dass die gesamte Reisekette als eine Einheit wahrgenommen wird.

© Anna Pirato
Was unterscheidet Salzburg von anderen Städten, mit denen du gearbeitet hast?
Die Erstellung eines solchen Mobilitätsplanes ist das Ergebnis einer EU-Verordnung. Wie dieser Plan erstellt wird bleibt jedoch den Städten gewissermaßen überlassen. Da finde ich, ist es als Besonderheit hervorzuheben, dass sich die Stadt Salzburg für einen Weg der Mitsprache entschieden hat. Das kenne ich bei einem Projekt mit dieser Flughöhe noch nicht und zeichnet die Stadt aus. An dieser Stelle möchte ich auch betonen, dass ich es wirklich großartig finde, wie viele Salzburger:innen sich beteiligen und die Zeit nehmen, ihre Ideen mitzuteilen. Wir haben schon einen ersten Blick in die unzähligen Einreichungen erhaschen können und sind begeistert von der Qualität und auch Kreativität der Ideen!
Was macht eine gute, umsetzbare Idee im Bereich Mobilität aus?
Eine gute Idee im Bereich Mobilität muss vor allem „alltagstauglich“ sein, also die Realität der Menschen berücksichtigen. Oft scheitern Konzepte daran, dass sie zwar theoretisch sinnvoll sind, aber im Alltag zu viel Disziplin oder Zeitverlust erfordern. Eine wirklich umsetzbare Maßnahme setzt deshalb darauf, den Wechsel zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln so reibungslos wie möglich zu gestalten, damit das Auto nicht aus Ideologie, sondern aus purer Bequemlichkeit stehen gelassen wird. Das bedeutet: Keine Wartezeiten beim Umsteigen, einfache Bezahlsysteme über eine einzige App und sichere Abstellmöglichkeiten am Zielort.
Zudem ist eine Idee dann besonders stark, wenn sie einen direkten Mehrwert für die Lebensqualität vor Ort schafft, der über den reinen Transport hinausgeht. Ein Beispiel sind Maßnahmen, die nicht nur den Verkehr beruhigen, sondern gleichzeitig den öffentlichen Raum aufwerten – etwa durch Sitzgelegenheiten oder Begrünung. Wenn die Menschen merken, dass eine neue Verkehrsführung nicht nur Einschränkungen bringt, sondern ihr Viertel lebenswerter macht, wird der Gewinn durch die Maßnahme sichtbarer. Eine gute Idee gewinnt die Menschen also über den Komfort und die Ästhetik, nicht über das Verbot.
Wie schafft man es, dass aus Ideen tatsächlich konkrete Maßnahmen werden?
Die Ideen werden auf ihre Umsetzbarkeit und auch auf ihren Anteil zur Zielerreichung durchleuchtet. Auch wie relevant und somit wie wirksam eine Maßnahme für die Veränderung der Mobilität in Salzburg ist wird beurteilt.
Wenn eine Idee also zur Zielerreichung beitragen kann und wir eine Wirksamkeit feststellen können wird sie in kleinere Teile zerlegt, die dann sozusagen als Schritt für Schritt Anleitung fungieren.
Natürlich können wir nicht alle Ideen zu Maßnahmen im Salzburger Mobilitätsplan machen. Aber wir geben unser bestes, ein stimmiges Gesamtbild zu erschaffen, wo sich die Salzburger:innen mit ihren Ideen auch wiederfinden können.
Was würdest du den Salzburger:innen mitgeben, die noch überlegen, ob sie sich am Community-Voting beteiligen sollen?
Ich finde es wichtig, die eigene Stimme zu nutzen! Es ist eine tolle Möglichkeit, dass bei einem Projekt dieser Flughöhe jede:r einzelne mitbestimmen kann. Die Stimmen helfen uns dabei, die Prioritäten der Salzburger:innen glasklar zu erkennen. Ideen mit viel Rückenwind aus der Bevölkerung haben in der weiteren Planung natürlich ein besonderes Gewicht. Also – abstimmen und mitbestimmen 🙂
Du interessierst dich für die eingereichten Ideen der Bürger:innen? Hier kannst du sie jederzeit einsehen:

© Doris Wild
