Blick hinter die Kulissen: Thomas Kuc im Interview

Wer entwickelt eigentlich die Maßnahmen für den Salzburger Mobilitätsplan genau? Warum scheitern gute Ideen oft in der Praxis. Heute gibt uns Thomas Kuc Antworten auf genau diese Fragen und erklärt auch, welche Rolle der Ideenbewerb „Gemeinsam bewegen wir Salzburg Richtung Mobilitätszukunft 2040“ im IdeaSpace dabei spielt.

Workshop Dekobild

© Doris Wild

Lieber Thomas, bitte stelle dich kurz vor …

Mein Name ist Thomas Kuc, ich bin Verkehrsplaner bei der Firma Trafility und komme aus Oberösterreich. Mit mittlerweile knapp 15 Jahren Berufserfahrung in der Mobilitäts- und Verkehrsplanung durfte ich zahlreiche Projekte in unterschiedlichen Städten begleiten. Im Rahmen des SUMP Salzburg bin ich mit meinem Team für die Maßnahmenentwicklung sowie deren Wirkungsanalyse verantwortlich.

Die Mobilitätsziele für die Stadt Salzburg sind definiert – wie kommt man von diesen Zielen zu konkreten Maßnahmen?

Indem man Maßnahmen entwickelt, die bestehende Defizite im Mobilitätssystem gezielt adressieren und einen möglichst hohen Beitrag zur Zielerreichung leisten. Ein zentraler Bestandteil dieses Prozesses ist die Analyse der prognostizierten Wirkungen. Nur wenn klar ist, welche Effekte einzelne Maßnahmen haben – und wie sie im Zusammenspiel wirken – lassen sich fundierte Entscheidungen treffen.

Welche Herausforderungen begegnen dir typischerweise bei der Entwicklung von Maßnahmen in Städten wie Salzburg?

Neben klassischen technischen Themen wie der Datenverfügbarkeit ist vor allem der Faktor Mensch eine große Herausforderung. Verkehr ist ein sehr emotionales Thema, zu dem fast jede Person eine eigene Meinung und Präferenzen hat. Maßnahmen müssen daher nicht nur fachlich wirksam sein, sondern auch gesellschaftlich akzeptiert werden. Dieser Spagat ist oft anspruchsvoll.

Michael Schwifcz

© Doris Wild

Was sind häufige Gründe, warum gute Ideen in der Praxis scheitern?

Häufig sind es politische Uneinigkeit, lange Entscheidungsprozesse und begrenzte finanzielle Mittel. Gerade lange Umsetzungsdauern sind problematisch: Durch langwierige politische Meinungsbildung und Genehmigungsverfahren werden Ideen teilweise erst dann umgesetzt, wenn sie fachlich bereits überholt sind. Das ist eine strukturelle Schwäche in der Verkehrsplanung.

Im Ideenbewerb wurden viele Vorschläge gesammelt – wie fließen diese konkret in den Maßnahmenplan ein?

In einem ersten Schritt werden die eingereichten Ideen von einer Fachjury anhand definierter Kriterien geprüft, unter anderem mithilfe unseres Bewertungsmodells mobiLabel. Besonders vielversprechende Vorschläge gelangen in eine zweite Phase mit vertiefter Analyse. Dabei wird auch geprüft, ob sich Ideen sinnvoll mit anderen Maßnahmen bündeln lassen, um positive Wirkungen zu verstärken und mögliche unerwünschte Effekte zu kompensieren.

Was macht eine eingereichte Idee besonders wertvoll aus deiner Sicht?

Wenn spürbar ist, dass sich jemand intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Besonders wertvoll sind Ideen, bei denen nicht nur positive, sondern auch mögliche negative Wirkungen reflektiert werden. Und manchmal sind es genau jene Vorschläge, die sehr einfach, aber wirkungsvoll sind – Dinge, auf die man selbst nicht gekommen wäre.

Was hat dich im bisherigen Prozess besonders überrascht?

Besonders überrascht hat mich die Qualität und Differenziertheit vieler eingereichter Ideen. Viele Beiträge zeigen ein sehr gutes Verständnis der lokalen Situation und greifen Probleme auf, die auch aus fachlicher Sicht relevant sind. Diese Übereinstimmung zwischen Alltagserfahrung und planerischer Analyse ist alles andere als selbstverständlich und für den Gesamtprozess sehr wertvoll.

Was würdest du den Salzburger:innen mitgeben, die noch überlegen, ob sie sich am Community-Voting beteiligen sollen?

Ich würde klar sagen: Mitzumachen lohnt sich. Die Bürger:innen fungieren dabei gewissermaßen als Sensoren des Alltags – sie liefern Rückmeldungen aus der täglichen Nutzung des Mobilitätssystems, die in keiner Verkehrsbeobachtung sichtbar werden.


Du interessierst dich für die eingereichten Ideen der Bürger:innen? Hier kannst du sie jederzeit einsehen:

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